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Ruiniert das Internet die Schriftstellerei?


Diversen Medienberichten zufolge befürchten viele Mitglieder der PEN-Club-Bewegung (Poets, Essayists, Novellists) durch das Internet den Verfall der Schriftstellerei. Die Argumentation zielt darauf hinaus, dass im Internet quasi jedermann seine Schreib-Kreationen, ob gut oder schlecht, veröffentlichen könne.


Auch führende Literaturwissenschafter aus fast allen Ländern der Erde halten diese steigende Tendenz für eine Inflation sprachlicher Gewandtheit, des Zusammenbruchs von Stil und Wortschatz und zunehmender inhaltlicher Banalitäten. Ein Hauptgrund des literarischen Verfalls wird durch die im Internet fehlende Qualitätskontrolle durch die sonst üblichen Verlagslektorate gesehen.


So meint der Stuttgarter Literaturwissenschafter Thomas Rothschild, dass es die im Internet massivst auftretende Kombination von Wort, Ton und Bild bereits bei den experimentellen Künstlern gegeben habe, und dass es durch die hohe Konzentration von seicht Geschriebenem im World Wide Web kaum oder keine literarischen Neuerungen geben werde.


Unter anderem kritisierte Rothschild auch das Fernsehen mit seiner bedenkenlosen Übernahme jeglichen Jugendjargons, der allgemeinen Nichtachtung der Sprache und der immer seltener werdenden Literatursendungen.


Dem Internet positiv gegenüberstehend ist der Frankfurter Kulturredakteur Wilfried Schoeller überzeugt davon, dass die Entwicklung im Internet die Literatur verändern und eine neue Kunstform hervorbringen werde, und meint, dass sich die Literaten dieser Entwicklung nicht verschließen sollten, sondern sie sollten versuchen, sie zu verstehen.


Gernot Josef Ladinig